8/26 Zwischen perfekt und nicht gut genug

Sep. 7, 2026 | Wunderbares Denken

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Ich grüße dich!

Beim letzten Familienbesuch in Wiesbaden bummelten mein Mann und ich durch einen Buchladen. Ich konnte mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in einem Buchladen war, denn seit Langem lese ich fast ausschließlich E-Books.

Natürlich blieb mein Blick an einem überwiegend rosa gestalteten Buch hängen (ich liebe Rosa!). Der Titel: „Rewitched" von Lucy Jane Wood. Die Geschichte einer jungen Buchhändlerin in London, die nebenbei auch noch Hexe ist. Mein Herz schlägt für Urban-Fantasy-Romane, ich gebe es zu. Kaum zurück im Hotel, begann ich zu lesen.

Es ist schon manchmal interessant, wie mir das Leben meine eigenen Themen vor Augen führt. Die Protagonistin Belladonna, kurz Bella, arbeitete seit Jahren als Buchhändlerin. Ihre Chefin wollte sich in den Ruhestand verabschieden und bot ihr an, den Buchladen zu kaufen. Als Bella ablehnte, setzte die Eigentümerin ihren Sohn auf den Chefsessel. Der verstand zwar viel von Zahlen, aber nichts von der besonderen Magie, die Bella seit Jahren in die Buchhandlung gewoben hatte.

Bella kaufte den Buchladen nicht, weil sie das Risiko scheute. Sie hatte Angst, zu versagen. Deshalb benutzte sie auch kaum noch ihre Magie und ließ sich lieber vom Sohn der Chefin herumkommandieren, während sie gleichzeitig die Scherben hinter seinen Entscheidungen aufsammelte. Bis sie an ihrem dreißigsten Geburtstag vor den Rat des Hexenzirkels berufen wurde und dreißig Monde Zeit bekam, um mit ihrem Mentor ihre Magie zu trainieren und die Aufgaben des Grimoires, der Bibel des Hexenzirkels sozusagen, zu erfüllen.

Bella, die junge Hexe, begab sich auf die Reise, um das Vertrauen in sich und ihre eigene Magie wiederzufinden.

Natürlich musste ich auch ihren zweiten Titel lesen: „Uncharmed". Er handelt ebenfalls von einer jungen Hexe namens Andromeda, kurz Annie, die sehr erfolgreich eine Bäckerei führt. In die Backwaren webt sie kleine Zauber, um den Kunden schöne Gefühle oder Mut für Entscheidungen zu schenken.

Annie liebt Rosa ebenso sehr wie ich, was sie mir sofort sympathisch gemacht hat. Und sie hatte sich selbst mit einem Perfektionszauber belegt, für den sie jede Nacht einen emotionalen Preis zahlen musste. Von ihrem Hexenzirkel wurde Annie gebeten, die Mentorenschaft für eine 15-jährige Hexe zu übernehmen, die ihre Kräfte noch nicht unter Kontrolle hatte. Durch die gemeinsame Zeit mit der Teenager-Hexe erkannte Annie, dass sie ihr Leben lang ausschließlich versucht hatte, die Erwartungen anderer zu erfüllen.

Deshalb beginnt für Annie eine Reise raus aus dem Angepasstsein und hin zu dem Menschen, der sie unter all den Schichten Perfektionismus tatsächlich ist.

In den Geschichten geht es um die Angst, nicht genug zu sein, zu scheitern, sichtbar zu sein, und um den Wunsch, perfekt zu sein und das Umfeld nicht zu enttäuschen. Ängste und Wünsche, mit denen ich mich ziemlich gut auskenne. Gerade letzte Woche wieder.

Da hätte ich fast eine Ausbildung zur Trau- und Trauerrednerin gebucht. Ohne zu wissen, ob ich das wirklich machen will. Aber falls ich es machen wollte, wäre ich ohne Ausbildung nicht gut genug dafür. Zum Glück hatte mir mein Gründungsberater in unserem Gespräch „verboten", weitere Ausbildungen zu machen.

Ich glaube, dass mein Drang, immer noch mehr Ausbildungen zu machen, auch als Ablenkung dient. Denn solange ich noch keine Ausbildung für XYZ, you name it, gemacht habe, kann ich den nächsten Schritt in meine künftige Selbstständigkeit auch nicht gehen.

Jetzt, da ich das alles hier schreibe, wird mir bewusst, dass hier mein Saboteur-Archetyp am Werk war. Der Saboteur will mich vor Gefahren bewahren und handelt dafür häufig aus den tiefsten Ängsten heraus, meist aus der Angst vor Ablehnung, Veränderung an sich oder auch aus der Angst vor Erfolg. Häufig zeigt er sich in Perfektionismus, einem starken inneren Kritiker oder auch in Chaos und Konflikten im Außen, weiteren Ausbildungen, … Alles, um mich davon abzuhalten, den nächsten Schritt zu gehen oder etwas zu Ende zu bringen. Doch in Wahrheit stellt mir der Saboteur immer wieder dieselbe Frage: Willst du das wirklich, auch wenn es dir Angst macht?

Ja, will ich! Und ich habe die Entscheidung, mich wieder selbständig zu machen, auch bereits getroffen. Doch ich gehe davon aus, dass mein Saboteur-Archetyp noch ein paar Mal nachfragen wird, ob ich mir wirklich sicher bin. Drück mir die Daumen, dass mein Ja genauso stark bleibt, wie ich es jetzt fühlen kann.

Kürzlich bin ich wieder auf ein Zitat aus einem Gedicht von Marianne Williamson gestoßen. Es lautet:

Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind. Unsere tiefste Angst ist, dass wir grenzenlos mächtig sind. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das uns am meisten ängstigt.
— Marianne Williamson, Rückkehr zur Liebe

Was, wenn sie recht hat?

Liebste Grüße und bis bald,
Carina

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