5/26 Mach nen Hacken dran

Aug. 17, 2026 | Wunderbares Denken

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„Du kannst es jetzt nicht mehr ändern und ja, das war eine be…scheidene Situation. Aber das ist jetzt vorbei, du weißt wo du dran bist und kannst einen Haken dran machen und dich auf das Positive in der Zukunft konzentrieren."

Diese Sätze hörte ich, als ich mal wieder mit meinen Hunden unterwegs war. Eine gute Bekannte rief mich an. Sie wusste bereits, dass meine Firma meinen Vertrag auflösen wollte. Doch die näheren Umstände dahinter kannte sie noch nicht. Auch nicht, wie es mir emotional damit ging. Dass ich beispielsweise mit meinen Hunden losfuhr, um spazieren zu gehen, und auf der Fahrt für ganze drei Minuten nicht mehr wusste, wo ich war. Oder dass ich einfach so anfing zu zittern, ohne Grund. Mein Nervensystem war am Anschlag.

Früher wäre ich vermutlich ihrer Empfehlung gefolgt. Ich wäre direkt in den „wie löse ich diese Situation am besten"-Modus übergegangen. Denn das ist etwas, was ich richtig gut kann. Ich finde Lösungen und setze sie um. Und ich werde mit Sicherheit auch dieses Mal eine Lösung finden, gar keine Frage. Doch die Zeit dafür ist noch nicht gekommen.

Jetzt ist die Zeit, um den Gefühlen und Emotionen Raum zu geben und zu verarbeiten. In meiner letzten Session mit einer meiner Begleiterinnen, Lindsay McGowen, sagte sie zu mir: „Emotions are energy in motion." Energie in Bewegung, Energie, die fließen können muss. Und sie sagte mir noch etwas ganz Entscheidendes: Der Reflex, diese Gefühle zu interpretieren, Gründe zu finden, warum sie sich jetzt so stark zeigen, ihnen eine Geschichte zuzuordnen, all das würde die Emotionen verlangsamen. Sie würden länger in mir bleiben. Lindsay meinte dazu auch, dass Gefühle, die wir frei fühlen und damit fließen lassen können, etwas Heilendes haben. Halte ich sie aber mit meinem Verstand fest, bleibe ich länger in dem Prozess, diese Situation zu verarbeiten, stecken.

Im Qigong und auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin wird gelehrt, dass Energie immer in Bewegung sein muss. Energie, die blockiert ist, kann zu Krankheiten im Körper-Seele-Geist-Gefüge führen. Deshalb ist auch eine Erstverschlimmerung eine gute Nachricht, denn das bedeutet, dass die Energie wieder ins Fließen kommt.

Vielleicht ist das, was gerade in mir aufbricht, mehr als nur gestaute Energie, die sich löst. Carl Jung hat dafür einen ganzen tiefenpsychologischen Prozess beschrieben: die Individuation. Einen Weg, der ein Leben lang dauert und auf dem wir die vielen zerstreuten, oft widersprüchlichen Teile in uns nach und nach zu einem Ganzen fügen. Jung meinte damit nicht, ein besserer oder größerer Mensch zu werden. Er meinte das Gegenteil. Der Mensch zu werden, der man ohnehin schon ist. Nichts Neues bauen, sondern etwas freilegen, das längst da war.

Als Kind passen wir uns an. Wir müssen das tun, um in dem sozialen Gefüge, in dem wir uns befinden, zu überleben. Jede Anpassung kostet uns etwas. Mitunter legen wir ganze Teile von uns beiseite, damit wir in den Raum passen, in dem wir aufwachsen. Die Wut, die nicht gerne gesehen wurde. Die Sensibilität, die belächelt wurde. All das verschwindet nicht. Es wartet nur. Und irgendwann, wenn der Boden wegbricht, kommt es zurück.

In meiner Hypnoseausbildung lehrt Johanna Disselhoff genau das. Und dass vor allem Basisemotionen wie Wut, Trauer, Freude, Angst, Ekel und Überraschung der Kommunikation dienen. Sie sind zum einen ein wichtiger Bestandteil der zwischenmenschlichen Kommunikation und zum anderen der Kommunikation unserer Innenwelt mit uns selbst. Jede Emotion trägt auch eine Botschaft in sich.

Ich merke das gerade bei meinen Hunden sehr deutlich. Werde ich bei unseren Spaziergängen immer genervter, ist das in Wahrheit schon eine leichte Wut, die sich aufbaut und mir zeigt, dass ich meine Grenzen nicht achte oder auch, dass ich die Grenzen nicht verständlich genug an meine Hunde kommuniziere.

In meiner persönlichen Situation hat mir mein Körper mit der Desorientierung und dem Zittern gezeigt, dass meine psychische Belastbarkeit momentan am Limit ist. Er gibt mir damit sehr klar zu verstehen, dass es noch nicht der Moment ist, in die Lösungsfindung zu gehen. Vielmehr ist jetzt gerade die Zeit, um mit mir in Verbindung zu gehen. Wie ich es in meinem letzten Brief an dich geschrieben habe: Es geht um Verbundenheit. Die Verbundenheit zu mir selbst, nach innen. Darum, mich selbst spüren zu können. Meine Emotionen und Gefühle wahrnehmen und fließen lassen zu können. Wenn möglich frei, ohne die Gedanken dazu.

Je mehr ich das zulasse, desto mehr komme ich bei mir selbst an. Bei der Carina, die unter all den Geschichten die ganze Zeit schon da war.

Und natürlich will mir mein Kopf mit dem Gedanken „Was mache ich denn jetzt" dennoch etwas anderes erzählen: dass wir verdammt noch mal eine Lösung brauchen. Doch mein Herz braucht Vertrauen. Vertrauen in mich, in meine Urteilskraft, meine Intuition.

„Hör' auf dein Herz" ist womöglich genauso leicht dahingesagt wie „Mach nen Haken dran". Es steckt Arbeit dahinter, nicht jedem kleinen Bauchschmetterling blind zu folgen, der mit seinen Flügelchen einen Hauch von „oh ja, das wäre gut" versprüht. Genauso wie es anstrengend ist, nicht einfach über meine Gefühle hinwegzudenken oder sie mit Geschichten über sie zum Bleiben zu zwingen.

Im Moment ist es für mich ein stetiges Austarieren und Ausrichten, manchmal sogar minütlich. Ich versuche, meine innere Wählscheibe dorthin zu drehen, wo sich ein sanftes Lächeln auf meinem Gesicht zeigt und sich ein warmes Gefühl in meiner Brust ausbreitet, das zu einem Zustand von innerem Frieden heranwachsen könnte.

Liebe Grüße und bis bald,

Carina

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