09/26 Ich funktioniere, also bin ich?

Sep. 14, 2026 | Wunderbares Denken

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Ich grüße dich!

Ich hatte einen Traum. Es war einer dieser Träume, die sich anfühlen, als würde ich in einem Film mitspielen. Richtig real also. In dem Traum ging es noch einmal um meinen baldigen Ex-Arbeitgeber. Die ganze Szene hatte etwas von einer Gerichtsverhandlung. Der Mensch, der mich dort raushaben wollte, war der Ankläger. Er hatte eine Mappe erstellt, in der er zehn Punkte aufführte, weshalb ich entlassen werden sollte. Zu jedem Punkt hatte er ein Beweisbild oder andere Belege, die seine Wahrheit bestätigen sollten.

Er legte diese Mappe dem CEO des Mehrheitsgesellschafters vor, dem Richter. Dieser stimmte aufgrund der „Beweise" meiner Kündigung zu. Ich, die Angeklagte, war auch da und total perplex. Zum einen waren diese Punkte völlig aus der Luft gegriffen. Zum anderen waren die sogenannten Beweise und Belege vollkommen beliebig und standen in keinem Zusammenhang zu mir. Anhören wollte mich niemand. Als ich nach der Verhandlung dem Geschäftsführer, einem meiner Vorgesetzten, sagte, dass das doch alles nur erfundene Punkte und vollkommen beliebige Beweise waren, gab dieser mir recht. Entlassen wurde ich dennoch.

Carl Gustav Jung, Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie, legte sehr viel Gewicht auf die Deutung von Träumen. Seiner Meinung nach sind unsere Träume Botschaften unseres Unbewussten, die uns bei der Selbstfindung unterstützen können.

Zwei Dinge nehme ich aus diesem Traum für mich mit. Erstens scheine ich noch nicht ganz abgeschlossen zu haben. Überraschung! Zweitens bestätigt der Traum, was ich die ganze Zeit ohnehin schon wusste: Ich hatte nichts Falsches getan. Und doch bleibt da so ein Gefühl im Bauch, das ich noch nicht benennen kann.

Mein Leben befindet sich gerade in einem Zustand, den ich als das Dazwischen bezeichne. Das Alte ist noch nicht ganz abgeschlossen. Das Neue ist noch nicht ganz da. Irgendwo in diesem Noch-Nicht-Ganz stehe ich gerade. Hier kann es passieren, dass ich an einem Tag so gut wie nichts mache. In meinem Kopf benutze ich den Begriff „nichts zustande bringen", was dem Nichtstun eine unschöne Konnotation verleiht. Denn Tun ist schließlich das, was ich kann. Durch dieses Nichtstun fühle ich mich unzufrieden, nutzlos tatsächlich, und scrolle mehr durch Instagram, als gut für mich ist.

Dort stoße ich auf einen Post von @astrotorah auf Instagram: „The Virgo Wound", auf Deutsch die Wunde der Jungfrau. Ich bin Ende August geboren, also ist mein Sonnenzeichen Jungfrau, worüber ich sehr gerne lese. Auf den folgenden Slides lese ich etwas, das sich so wahr anfühlt, dass es mir schon weh tut, es nur zu lesen.

Dort steht sinngemäß, was eine Jungfrau auf ihrem Weg lernt: Wenn sie nur genug bemerkt, genug hilft, genug vorausdenkt, bleibt alles heil. Doch aus dieser Aufmerksamkeit wird Verantwortung und daraus das Gefühl, gebraucht zu werden. Und gebraucht werden fühlt sich irgendwann an wie geliebt werden.

Das alleine hat mir schon einen kleinen Stich versetzt, aber es geht noch weiter.

Die Jungfrau versucht, sich durch Leistung zu erarbeiten, was eigentlich bedingungslos da sein sollte: durch Liebe. Ruhe fühlt sich dann unverdient an. Etwas anzunehmen fühlt sich verletzlich an. Umsorgt zu werden fühlt sich fremd an, fast wie eine unbekannte Sprache.

Der Post endet damit, dass Heilung hier heißt, Fürsorge nicht mehr mit Kontrolle zu verwechseln, Dienst nicht mit Aufopferung und den eigenen Wert nicht an die eigene Nützlichkeit zu knüpfen.

Das Schwierige dabei ist, dass ich genau weiß, was sie mit Kontrolle, Aufopferung und Nützlichkeit meint. Diesen Hang zur Kontrolle, wenn ich nur xyz, dann … Und ich weiß auch, dass sich gebraucht werden wie geliebt werden anfühlen kann. Ruhe war immer mehr Belohnung für mich als Selbstverständlichkeit. Und umsorgen dürfen mich nur meine Liebsten und da auch fast ausschließlich mit Essen, weil ich kulinarisch völlig verwahrlosen würde, müsste ich mich selbst darum kümmern.

Kein Wunder also, dass es mir so schwerfällt, dieses Dazwischen auszuhalten, in dem ich mich gerade befinde. Ich frage mich, ob ich mich nicht nur in Sachen beruflicher Orientierung neu erfinden darf. Offensichtlich darf ich die Basis aus Kontrolle, Aufopferung und Nützlichkeit, auf der ich mein Leben aufgebaut habe, ebenso überdenken und von Grund auf neu erschaffen.

Ich bin mir gerade nicht sicher, ob mir das Angst macht oder die beste Gelegenheit ever sein könnte …

Warst du schon mal an so einem Punkt?

Alles Liebe und bis bald,
Carina

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