“Kannst du mir nicht einfach sagen, was ich machen soll, du doofes Universum?”

So oft ging mir dieser Satz durch den Kopf. Ich wollte Antworten und ich wollte sie sofort!

Doch es funktionierte nicht. Je mehr ich drängte, je mehr ich mich wand, desto schwerer fühlte es sich an, meine nächsten Schritte zu sehen.

Also entschied ich mich dafür, zu warten. Ich hörte auf, hartnäckig nach Antworten zu suchen. Stattdessen versuchte ich, sie zu mir kommen zu lassen. Wie ein scheues Tier, das sich dann für mich entscheidet, wenn ich Ruhe und Souveränität ausstrahle, anstatt Hektik und Druck.

An die eigene innere Führung anzuknüpfen, ist wie Blumen auf der Wiese pflücken, anstatt den Strauss an der Tanke zu kaufen.

Vor einigen Wochen sprach ich mit einer ganz lieben Freundin darüber, dass sie gerade an einem Punkt stehe, an dem sie so wie es ist nicht weiter machen wolle, aber auch noch keinen klaren Plan hatte, wie sie denn weitergehen solle. Sie sagte zu mir:

“Du befindest dich jetzt schon seit Jahren – also fast seit ich dich kenne – in einer Art “Entpuppungsprozess”. Es ist faszinierend zu beobachten, wie du es zulassen kannst, deinen ganz eigenen Weg zu finden.”

Ein Entpuppungsprozess, ohja, das hatte sie gut erkannt. Ich habe in den letzten Jahren mehr und mehr die Anleitungen und das, was “man so macht” beiseite gelassen. Und zwar ohne gleich zu wissen, was ich stattdessen tun und welche Schritte ich gehen werde.

Daher kenne ich diesen Ort des Nicht-Wissens. Und ich kenne auch dieses drängende Gefühl des Wissen-Wollens.

Es sind die Orte, an denen Verstand und Weisheit aufeinandertreffen. Denn unser Verstand wünscht sich schnelle Antworten. Um diese zu finden greift er auf das zu, was ihm zur Verfügung steht. Das, was er bereits weiß, weil wir es ausprobiert oder gelernt haben. Weisheit hingegen umfasst mehr als das. Etwas, was ich fühlbar weiß, ohne es jedoch begründen zu können/müssen.

Innere Führung – innere Richtschnur vs. gefühltes Chaos

Ja, das mit der eigenen inneren Führung – du kannst es auch Intuition, innere Wahrheit oder Weisheit nennen – ist eine tolle Sache. Allerdings nur dann, wenn du jemand bist, die das auch wahrnehmen kann.

Oder auch der Punkt mit der Freude, der man folgen soll. Auch das ist eine tolle Sache.

Alle diese Varianten ein und desselben können die Menschen jedoch häufig in ein gefühltes Chaos führen, anstatt an einer inneren Richtschnur entlang.

Und das ist auch gut so! Denn der eigenen inneren Führung zu vertrauen und ihr zu folgen, heißt auch, keine vorgefertigten Wege mehr gehen zu können. Es heißt, die eigenen Fußspuren zu hinterlassen, wo bislang noch niemand anderer entlang gelaufen ist.

Die Herausforderungen, die eigenen Fußspuren zu setzen

Für mich war und ist das mitunter eine Herausforderung. Denn natürlich ist es schöner, einfacher und auch geschmeidiger, einem zumindest etwas ausgetretenen Pfad zu folgen. Doch ich bin davon überzeugt, dass wir uns alle langsam, aber sicher von diesen vordefinierten Wegen verabschieden dürfen.

Zum einen ganz pragmatisch, weil Veränderungen nicht die Ausnahme, sondern der Standard geworden sind. Zum anderen aber auch, weil wir mehr Möglichkeiten haben, uns zu entfalten und auszuprobieren, als das noch vor 20 Jahren der Fall war.

Pin_Wie du deiner inneren Führung folgen und vertrauen kannst

Willst du wissen, wie du deiner inneren Führung folgen und vertrauen kannst? So gehts:

Vertrauen und folgen gehen nicht unbedingt immer zusammen, das ist meine persönliche Erfahrung. Ich vertraue schon länger auf meine innere Führung und doch bin ich ihr nicht immer gefolgt. Das hatte unterschiedliche Gründe, wie zum Beispiel, dass ich dachte, etwas müsse schneller gehen. Oder auch, weil ich meine innere Führung mitunter nicht direkt mit meinem damaligen Weg in Einklang bringen konnte. Das bringt mich gleich zu meinem ersten Punkt:

#1: Du darfst auch mal Nicht-Wissen

Der eigenen inneren Führung zu vertrauen heißt auch, abwarten zu können, bis die Antworten kommen. Es dreht sich nicht immer um leichte Entscheidungen nach dem Muster Fleisch, Fisch oder vegetarisch zum Abendessen.

Die Antworten kommen:

  1. Zum einen in ihrem Tempo und zum anderen in dem Tempo, du hast keinen Einfluss darauf.
  2. Zum anderen kommen die Antworten in dem Tempo, wie du sie verarbeiten kannst.
  3. Vor allem aber kommen sie von alleine am allerbesten, und zwar ohne dass du jeden Tag an deine innere Tür klopfst und fragst, ob sie jetzt bald so weit sind.

#2: Leg deine Stützräder ab

Für Antworten aus deinem Inneren kannst du einfach niemanden fragen. Du kannst dich höchstens inspirieren lassen, in Richtungen zu schauen, die du bisher vielleicht ausgespart hast. Du findest keine Anleitung, der du nur folgen musst, und schon geht alles wie geschmiert.

DEIN Leben folgt nun einmal keiner Schablone. Es folgt keinem kulturellen Standard wie “verliebt, verlobt, verheiratet, Kind” und auch keinen kulturellen Prinzipien wie “Schaffe schaffe, Häusle baue”. Es geht hier um DEIN Tempo, um DEINE Wege, um DEINE Kreation DEINES selbstbestimmten Lebens. Nur DU alleine wirst diese Antworten finden und sie sind auch nur für DICH bestimmt.

#3: Lade die Stille in dein Leben ein

Stille zulassen ist eine meiner härtesten Disziplinen. Denn neben meiner Ungeduld war es die Stille, die ich früher kaum aushalten konnte. Anstatt meinen eigenen Gedanken zuzuhören, habe ich mich lieber abgelenkt. Anstatt bei mir zu bleiben, war ich lieber in den Gedanken und Gefühlen anderer unterwegs.

Bis es nicht mehr ging. Dann wurde es still. Und die Stille war schwer für mich. Doch ich habe gelernt, sie nicht mehr zu sehen als großes schwarzes Nichts, das mich verschlucken will. Doch ich habe verstanden, dass die Stille einen Raum öffnet, durch den neue Gedanken, Ideen und auch Antworten ihren Weg zu mir finden können.

Übrigens warten die Antworten bei mir schon gar nicht mehr darauf, bis ich mir bewusst die Fragen dazu stelle. Sie kommen einfach so.

#4: Lerne dich selbst (neu) kennenlernen

Meine eigenen Gedanken erkennen und verstehen, wie sie miteinander verknüpft sind. Das war noch einmal eine echte Erkenntnis für mich. Denn wenn ich mich selbst nicht verstehe, wie will ich dann die Antworten verstehen, die aus mir heraus in die Welt kommen wollen?

Zudem gab und gibt es auch in mir noch vergrabene Gedanken, über die ich immer mal wieder stolpere. Das können Gedanken sein, wie “Das ist doch nichts besonderes.” Wenn du diese Gedanken entdeckt hast, tun sie nichts mehr, deshalb du musst sie auch nicht wegmachen.

Diese Gedanken sind wie Wurzeln auf einem Waldweg. Läufst du den Weg zum ersten Mal stolperst du über sie. Aber dann weißt du, dass sie da ist. Wenn du diesen Weg das nächste Mal entlang gehst, wirst du schon wissen, dass es da eine Wurzel gab. Ein zweites Mal wirst du also nicht mehr über sie stolpern. Irgendwann wirst du wieder auf dem gleichen Weg laufen und dich fragen, ob die Wurzel überhaupt noch da ist.

Ja, es ist Arbeit. Ja, es ist anstrengend. Und ja, es ist auch nicht immer schön. Aber lass dich davon bitte nicht abschrecken. Ganz im Gegenteil: Freue dich auf diese Reise zu dir selbst und lass dich von den Erkenntnissen und AHAs überraschen, die dir auf dem Weg begegnen werden. Glaube mir, es wird leichter und es wird spaßiger.

Die Belohnung dafür, diesen Weg einzuschlagen, ist eine echte und tiefere Beziehung zu dir selbst, dazu, wie du in deinem Leben stehst und wie du dein Leben künftig gestalten willst.

Was ist nun dein erster Schritt, den du noch heute tun kannst, um auf deine innere Führung zu hören?

Ich wünsche dir viel Freude beim Wahrnehmen und Entdecken!

Alles Liebe und bis bald,

Carina