Sagt man denn nicht immer Kinder sollen vor die Tür und draußen spielen und nicht drinnen rumsitzen. Sie sollen doch Abenteuer erleben, die Welt entdecken, neugierig sein, sich austoben und ihrer Phantasie freien Lauf lassen.

Während meiner Ausbildung habe ich ein Intensivseminar gebucht. An diesem Wochenende ist immer wieder der Begriff „inneres Kind“ gefallen. Ehrlich gesagt, ich konnte mit diesem Begriff so überhaupt gar nichts anfangen.

Was will das Kind denn da drinnen?

Mehr noch, er hat mich sogar wütend werden lassen. „Was bitteschön soll ich denn mit einem Kind da drinnen?“ habe ich mich gefragt. Wenn ich Dinge tun will, die ich als Kind gerne gemacht habe, dann kann ich sie doch einfach tun, oder etwa nicht?

Ich schaue Kinderserien und -Filme wenn ich Lust darauf habe, ich liebe Stofftiere und freue mich nach wie vor wie eine Schneekönigin auf meinen Geburtstag. Wie viel Kind hätte ich denn noch sein sollen?

Ich kenne doch gar kein inneres Kind

Mit dieser Vorstellung, dass da ein Kind in mir drinnen sein soll, dass es da drinnen bleiben soll und ich mit ihm sprechen oder mich gar versöhnen soll, konnte ich mich ehrlich gesagt nicht anfreunden.

Nicht nur nicht anfreunden, ich konnte es ja noch nicht einmal verstehen. Ich hatte mich doch nicht gestritten, wie sollte ich mich also versöhnen und dann auch noch mit einem sogenannten inneren Kind, welches ich nicht einmal kenne?

Sollte das Kind doch bleiben wo es wollte

Also habe ich es gelassen. Ich habe mich ziemlich lange nicht mehr mit dieser Frage: „Habe ich ein inneres Kind in mir oder habe vielleicht gar keines?“ beschäftigt.

Damals ist mir allerdings nicht bewusst gewesen, dass ich immer noch krampfhaft versuchte eine Erwachsene zu „spielen“. Das habe ich jahrelang so durchgezogen, ich habe immer versucht eine souveräne, erfolgreiche und taffe Frau zu mimen.

Ich wollte die totale Überflieger-Business-Frau zu sein

Eine tolle Frau, eine tolle Partnerin und eine tolle Karrierefrau. Ich wollte perfekt sein, alles unter einen Hut bekommen. Noch dazu sollte mich mein Umfeld für perfekt halten und meine Erfolge anerkennen. Und du wirst es nicht glauben, eine ganze Zeit lang ist mir das sogar gelungen.

Neustart in alten Schuhen

Als ich mich dann dafür entschied noch einmal neu zu starten und einen anderen Weg einzuschlagen wurde mir meine Erwachsenen-Strategie zwar bereits bewusst, ich machte zunächst aber ebenso weiter.

Ich war wirklich der Meinung dass mich niemand für voll nehmen würde wenn ich es anders machen würde. Wie ich es geschafft habe aus der Perfekt-Falle heraus zu kommen kannst du in meinem Artikel „Mein Weg aus der „Perfekt-Falle“ und 3 Tipps wie du das auch schaffen kannst“ nachlesen.

In die Erwachsenen-Strategie passt kein inneres Kind

Dass ich in diesem „Zustand“ nichts mit meinem inneren Kind anfangen konnte, ist ja wohl klar. Aber allmählich begann meine tolle Fassade zu bröckeln und langsam dämmerte es mir, dass ich so wie ich war nicht „echt“ war.

Nach und nach verstand ich, dass ich immer versucht hatte jemand zu sein, der ich eigentlich gar nicht bin. Und mir wurde klar, dass ich immer wollte dass andere mich für gut befinden.

Ich habe gespürt, dass da noch mehr ist in mir

Etwas, was ich lange Zeit einfach weggeschlossen hatte. So getan hatte als gäbe es diese Seite nicht mehr an mir. Als wäre ich einfach herausgewachsen.

Je mehr ich mich damit beschäftigte, umso mehr wollte ich es wiederfinden. Zu Anfang fühlte es sich auch tatsächlich etwas klein an. Ja, ich weiß, das hört sich ein bisschen seltsam an aber ich fühlte dass es da etwas ganz kleines und kostbares gab. Fast so wie eine kleine Lichtkugel, die sehr hell strahlt.

Von Tag zu Tag wurde dieses kleine Licht ein wenig größer

Und dann kam der Tag, an dem ich es zum ersten Mal gespürt hatte. Ich hatte das Gefühl dass ich es buchstäblich in meinen Händen halten würde. Das passierte während einer Qigong-Übung.

Es war ein so besonderer und wunderschöner Moment

Ich hatte das Gefühl, dass ich gerade jetzt in diesem Moment das kostbarste in den Händen hielt, was es in mir gab. Es war als würde ich mich selbst in den Händen halten. Ja tatsächlich mich selbst, mit all meinen Seiten, Facetten und Gesichtern.

Sofort liefen mir die Tränen über das Gesicht, mitten während der Übung. Ich hatte meinen kostbarsten Schatz entdeckt und es fühlte sich so schön, so warm und so richtig an. Sogar jetzt während ich schreibe kommt dieses Gefühl wieder in mir auf.

Ich will meinen Schatz behalten

Ab diesem Moment, wollte ich diesen kostbaren Schatz nicht mehr verlieren. Ich wollte ihn behüten und beschützen. Schließlich wollte ich ihn ja behalten und nicht wieder verlieren.

Aber trotz allem wollte ich ihn auch nicht eingesperrt lassen. Ganz im Gegenteil, er sollte raus kommen. Ich wollte ihn ab jetzt immer spüren und bei mir haben.

Aber was war dieser Schatz denn überhaupt?

Ich muss dir gestehen, so ganz genau kann ich es dir heute noch nicht beantworten. Ich kann dir aber sagen wie er sich anfühlt und diese Empfindungen lassen für mich derzeit nur einen Schluss zu.

Mein Schatz fühlt sich an wie:

  • etwas ganz Reines und Unschuldiges. Er ist einfach wie er ist und keine Ambitionen sich zu verstellen. Das weckt in mir ein ganz wohliges und zufriedenes Gefühl. Ein Gefühl einfach nur sein zu dürfen ohne etwas „liefern“ zu müssen.
  • etwas Neues und doch sehr Vertrautes. Ich spüre dass dieser Schatz schon immer da war, auch wenn ich ihn sehr lange weggeschlossen hatte.
  • etwas Kostbares und Wertvolles. Es ist als hätte nur ich ganz alleine diesen Schatz und niemand sonst. Ich kann ihn zeigen und in die Welt lassen aber er wird immer ein Teil von mir sein.

Erwachsen sein und doch Kind sein können

Und so kam ich letztendlich für mich zu dem Schluss, dass es sich hierbei um so etwas wie mein inneres Kind handeln könnte. Ein Kind mit all seinen Fähigkeiten und Talenten, die mir jetzt wieder zur Verfügung stehen. Ein Kind, welches so lange in mir versteckt gelebt hat und darauf gewartet hat, dass ich es wieder entdecke und endlich nach draußen lasse.

Dieser Schatz in mir hat mir gezeigt, dass ich als Carina zwar sehr wohl erwachsen sein kann, das aber noch lange nicht heißen muss, dass ich meine kindlichen Eigenschaften, meine kindliche Phantasie und meine kindliche Freude nicht mehr leben darf. Ganz im Gegenteil!

Aber jetzt bist du dran: Wie ergeht es dir mit deinem inneren Kind? Hast du es schon entdeckt?

Ich freue mich über Deine Erfahrungen und Wünsche! Schreib’ mir einfach eine E-Mail oder hinterlasse ein Kommentar!

Bis bald,

Carina

 

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