In dieser Woche hatte ich sie nicht – die Kontrolle. Ich dachte ich werde verrückt. Was kann ich jetzt tun? Wie schaffe ich jetzt alles was ich mir vorgenommen habe? Gibt es denn nicht noch eine andere Möglichkeit? Ich war völlig ausgehebelt und wurde von Tag zu Tag frustrierter. Aber ich fange mal von vorne an.

Alleine durch meinen Job bin ich auf das Internet angewiesen. Das World Wide Web bietet mir die Möglichkeit zu recherchieren, zu kommunizieren, Kontakte zu knüpfen, mich weiterzubilden und und und.

Damit das in Zukunft auch noch schneller von statten gehen kann wollte ich meinen DSL-Anschluss upgraden. Ist ja heutzutage auch kein Ding mehr einen VDSL 25000 Anschluss zu haben. Dachte ich.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Was laut Techniker 15 bis 20 Minuten dauern sollte, erstreckte sich doch tatsächlich über 4 Tage hinweg. Ich weiß, eigentlich kein Beinbruch. Aber wie gesagt, ich bin aus beruflichen Gründen ständig online und ohne funktioniert mein kleines Unternehmen einfach nicht reibungslos.

Ich habe mich in diesen Tagen mehr als nur aufgeregt, ich war zeitweise echt ungenießbar mir selbst gegenüber. Ehrlich gesagt habe ich mich doch sehr über mich selbst wundern müssen. Schließlich gibt es weitaus schlimmere Dinge über die ich mich hätte aufregen können.
Die letzten beiden Tage habe ich mich dann ernsthaft damit beschäftigt, was genau mich denn da so aus der Fassung gebracht hat.

Man lernt ja nie aus

Das Ergebnis meiner inneren Recherche ergab, ich hatte keine Kontrolle. Ich war darauf angewiesen dass mein DSL-Anbieter einen Techniker vorbei schickt, der meinen Anschluss wieder zum Laufen bringt. Wann das geschehen würde wusste ich nicht und darauf hatte ich auch keinen Einfluss. Ich habe telefoniert und telefoniert und viel Zeit mit Sprachcomputern und in der Warteschlange verbracht, bis ich es schließlich schaffte einen „kurzfristigen“ Termin zu bekommen.

Die gute Nachricht ist, das Internet läuft wieder, ich bin so zu sagen wieder „on“. Die zweite gute Nachricht ist, ich durfte mal wieder etwas Neues über mich selbst erfahren.

Was bedeutet es denn die Kontrolle zu haben?

Für mich konnte ich folgende Punkte sammeln:

  • Sicherheit – wenn ich die Kontrolle habe, habe ich die Möglichkeit Einfluss darauf zu nehmen, was passiert.
  • Planung & Organisation – ich habe die Möglichkeit meine Tätigkeiten und nächsten Schritte zu planen und zu organisieren.
  • Überprüfung – ich kann am Ende nachhalten, was ich erledigt habe und was davon so lief, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Das wirklich spannende an dieser Aufstellung ist, dass ich die meisten Punkte in dieser Form gar ich für mich nutze. Ich plane recht wenig. Ich habe vielmehr eine Vorstellung davon, was ich noch zu tun habe und was ich in welcher Reihenfolge erledigen will. Und eben gerade an diesem Punkt bin ich mir selbst auf die Schliche gekommen.

Was genau bedeutet es für mich wenn ich die Kontrolle nicht habe?

  • Freiheit – ich halte nicht alle Zügel in der Hand und kann flexibel und frei agieren. Ich kann vielleicht nicht auf alle Ressourcen zurück greifen, wann ich will und wann ich sie brauche aber das bringt mich gleich zum nächsten Punkt:
  • Kreativität – dadurch dass ich über viel weniger nachdenken, viel weniger im Blick haben muss kann ich die Dinge einfach auf mich zukommen lassen. Häufig wenn ich meine Gedanken mit einen Problem „alleine“ lasse, kommen ziemlich spannende Ideen dabei heraus, auf die ich durch bewusstes Nachdenken vielleicht gar nicht gekommen wäre.
  • Gelassenheit – ich kann einfach loslassen, Dinge auch einmal sein lassen wie sie gerade sind und genießen welche Möglichkeiten und Überraschungen mich dann erreichen. Dinge, für die ich vorher keinen Blick hatte.

Sicher haben beide Situationen ihren ganz eigenen Charme und je nachdem wie du selbst „gestrickt“ bist, sind sie angenehmer oder weniger angenehm für dich.

Zufälle gibt es nicht

Für mich war es am Anfang der Woche auch nicht sonderlich angenehm, das kann ich dir sagen. Es hat erst angefangen angenehmer zu werden, als ich dieser Herausforderung gelassener begegnet bin.

Ich glaube nicht an Zufälle. Meiner Meinung nach passieren die Dinge nicht einfach so und ich kann dir in meinem Fall sagen, ich hatte hier noch etwas zu lernen. Meine Gedanken loslassen und sie auf etwas angenehmeres zu lenken ist nicht mehr die große Herausforderung für mich. Meine unschönen Gedanken einfach mal gehen lassen schaffe ich dank Qigong mittlerweile ziemlich gut.

Das Leben stellt Aufgaben bereit

Die Kontrolle zu verlieren hingegen ist für mich aber dennoch eine echte Herausforderung gewesen. Es ist ja auch nicht so, dass ich das jetzt einmal am Tag einfach so üben könnte. Wer gibt schon freiwillig gerne die Kontrolle über das eigene Tun, die eigenen Möglichkeiten ab.

Es gab in meiner Vergangenheit schon mehr als genug Situationen, in denen ich keine Kontrolle mehr hatte. Oft genug hat es mich völlig aus der Bahn geworfen aber so, dass ich wirklich tagelang außer Gefecht gesetzt war. Und dennoch bin ich froh, dass ich es jetzt wieder erleben und testen durfte.

Ich hoffe wirklich sehr, dass ich in der nächsten Situation noch gelassener reagieren werde. Wie gesagt, ich glaube nicht an Zufälle. Ich glaube vielmehr dass mir das Leben einmal mehr eine Aufgabe und eine Möglichkeit zur Verfügung gestellt hat. Ich durfte lernen und ich durfte wachsen.

Aber jetzt bist du dran: Wie leicht fällt es dir denn die Kontrolle abzugeben? Oder wie reagierst du wenn du die Kontrolle verlierst? Hast du bereits Strategien entwickelt dieser Herausforderung zu begegnen?

Ich freue mich über Deine Erfahrungen und Wünsche! Schreib’ mir einfach eine E-Mail oder hinterlasse ein Kommentar!

Bis bald,

Carina