So lange ich denken kann war es mein Ziel perfekt zu sein. Darunter gab es gar nichts. Für mich war das Beste als Zielvorgabe gerade gut genug. Und das in jeder Hinsicht. Ich habe mich geschunden körperlich wie auch mental, habe mir selbst wirklich sehr oft nicht gut getan. Und jedes Mal wenn ich es nicht geschafft habe perfekt zu sein (nach meinen Vorgaben) konnte ich mich wieder ein Stück weniger leiden.

Ich ertappe mich auch heute immer mal wieder dabei, dass ich Gefahr laufe in die „Perfekt sein“ – Falle zu stolpern. Es ist so ein altes Muster, was mich lange Zeit begleitet und auch angetrieben hat. Höher, schneller, weiter in möglichst kurzer Zeit, ich habe es praktiziert bis zum Exzess.

Die Wirkung macht’s

Auf der einen Seite wollte ich ganz klar aus eigenem Antrieb, aus mir selbst heraus perfekt sein, das war einfach mein Anspruch. Auf der anderen Seite wollte ich aber auch nach außen hin perfekt wirken.

Ich wollte die perfekte Partnerin sein.

Ich wollte die perfekte Freundin sein.

Ich wollte die perfekte Tochter sein.

Ich wollte die perfekte Mitarbeiterin sein.

Ich wollte die perfekte Kollegin sein.

Ehrlich gesagt erschlagen mich diese Sätze immer noch, gerade jetzt wo ich sie so noch einmal vor mir sehe.

Mein Weg als Perfektionistin

Ich kann dir gar nicht sagen was ich alles unternommen habe, um diesen meinen Ansprüchen auch nur halbwegs gerecht zu werden. Und es waren definitiv meine, denn aus meinem Umfeld habe ich das nie zu hören bekommen.

Sei doch nicht so verbissen

Die Rückmeldungen, die ich von Freunden, Bekannten und Familie erhalten habe waren das genaue Gegenteil von dem, was ich selbst wahrgenommen habe. „Sei doch nicht so verbissen.“ „Gönn dir doch auch mal eine Pause.“ „Das ist Wahnsinn wie viel du in kurzer Zeit geschafft hast.“

So viel zum Thema Eigenbild und Fremdbild. In meiner Wirklichkeit war alles was ich tat einfach nur zu wenig und ganz bestimmt niemals gut genug.

Weniger soll mehr sein?

Dass das nicht ewig gut gehen konnte, ist denke ich klar. Und so war es auch. Ich habe bereits zwischendurch häufig gespürt, dass ich am Limit bin. Es gab Tage, an denen hatte ich das Gefühl ich kann nicht mehr weiter, nicht einmal mehr einen Millimeter, es geht einfach nicht mehr. Also habe ich weniger gemacht und habe mich schlecht gefühlt dabei.

Welche Zeichen?

Es kam dann auch eine Zeit, in der es mir körperlich und mental immer schlechter ging. Die Gedanken kreisten und grübelten und ich hatte sie schon gar nicht mehr unter Kontrolle. Zusätzlich wurden meine Kopfschmerzen und Rückenschmerzen so schlimm, dass ich täglich Schmerzmittel brauchte. Nun hatte ich aber auch noch einen nervösen Magen und gereizten Darm und das alles machte die beiden nur noch mehr sauer, im wahrsten Sinne des Wortes. Und schlafen war darüber hinaus auch schon zu einem Luxus geworden.

Jammern allein hat auch noch keinem geholfen

Habe ich das als Zeichen dessen verstanden, dass ich vielleicht einmal etwas ändern sollte? Nicht so ganz. Ab und an flammte da mal so ein kleiner schüchterner Gedanke auf, der so in etwa in diese Richtung ging aber den wiederum hatte ich ziemlich schnell wieder Griff.

Der Wandel – Klappe die Erste

Irgendwann hatte mein Körper dann genug und trat in den Streik. Ich hatte also plötzlich ganz viel Zeit zum Nachdenken und zum Glück auch zum Umdenken. Diese höher, schneller, weiter Jobs waren einfach nichts für mich dachte ich. Ich brauchte etwas, wo ich mehr mit Menschen zu tun hatte und was weniger stressig war.

Gesagt getan. Und wie glaubst du bin ich das Ganze angegangen? Jep, ganz genau. Neuer Weg in alten Schuhen und schon war ich wieder genau so verbissen unterwegs wie zuvor und habe sage und schreibe drei Ausbildungen gleichzeitig gestartet.

Zufälle gibt es nicht

Die letzte Ausbildung, die ich hinzu gepackt hatte war zugleich der Schlüssel, der mich langsam zum Umdenken gebracht hat. Es war die Ausbildung zur medizinischen Qigong-Lehrerin. Jetzt glaube aber bloß nicht, dass ich gestartet bin und durch die Übungen sofort in den Wusa-Modus gefallen bin. Weit gefehlt!

Der Bumerang-Effekt

Qigong funktioniert nach einem ganz einfach Prinzip: du wirst da abgeholt, wo du gerade stehst. Und da ich ja so gerne leisten wollte, habe ich auch hier leisten dürfen. Und es hat nicht funktioniert. Das Gegenteil war der Fall. Daher habe ich es noch mehr versucht, hab mich noch mehr angestrengt. Ich war so hart zu mir selbst, dass ich mir teilweise sogar wehgetan habe während ich die Übungen machte.

Aber ich kam so einfach nicht weiter. Ich hatte in mir selbst keinen Platz. Da war kein Raum für ich, da war kein Raum für meine Gefühle, da war kein Raum für meine Bedürfnisse, ich habe mir nichts dergleichen wirklich zugestanden.

Der Wandel – Klappe die Zweite

Und dann ist es mir so ganz langsam immer bewusster geworden. Perfekt sein zu wollen hieß für mich immer das Ziel möglichst weit oben ansetzten und wie eine Gestörte darauf los stürmen und mit abrackern. Am besten noch mit Scheuklappen an den Augen, damit mich auch nichts vom Weg abbringt.

Mit Energie haushalten

Durch das Qigong, durch das Arbeiten mit meiner Lebensenergie habe ich so langsam aber sicher verstanden, dass ich langsamer werden muss. Denn nur wenn langsamer wurde konnte ich mich selbst spüren.

Ich habe verstanden, dass mir meine Ziele, das was ich erreichen will, wo ich hin will ganz einfach nur eine Richtung vorgeben. Eine Richtung in welcher ich die Möglichkeit hatte Schritt für Schritt vorwärts zu gehen und trotzdem nach links und rechts zu schauen, was da noch so Spannendes auf mich wartet.

„Langsamer“ ist mein neues „Perfekt sein“

Mein Bedürfnis nach Ruhe und Kraft sammeln wurde riesen groß und genau das habe ich mir so oft es ging gegönnt. Ich bin langsamer geworden und habe es geschafft meine körperlichen Beschwerden nahezu verschwinden zu lassen. Ich kann nicht behaupten dass Qigong die einzige und ausschließliche Methode ist dahin zu kommen aber mir hat es geholfen.

Nicht die Übungen alleine, sondern viel mehr sogar noch die Prinzipien, die dahinter stehen und nach denen ich heute versuche mein Leben auszurichten. Sie sind für mich Methode und Lebenseinstellung zugleich geworden.

Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass es viel mehr Sinn macht zwischendurch einfach mal die Geschwindigkeit raus zu nehmen und einen Schritt zurück zu treten. Denn nur so kann ich erkennen welche Bedürfnisse ich habe. Nur so kann ich es schaffen nicht wieder überwältigt zu werden von meinem eigenen Perfektionismus.

Das sind auch genau die 3 Tipps, die ich dir mit auf den Weg geben will:

#1: Schinde dich nicht bis dein Körper in den Streik tritt, sondern höre bereits vorher auf die Zeichen, die er dir sendet.

#2: Nimm ab und an einfach mal die Geschwindigkeit raus und trete einen Schritt zurück um dich zu sammeln.

#3: Finde Möglichkeiten, die zu dir passen und dir Spaß machen, um deine Gedanken zur Ruhe zu bringen und deinem Körper eine Auszeit zu gönnen.

Und wie sieht es mit dir aus? Versuchst du immer noch perfekt zu sein? Oder hast du die Zeichen schon erkannt? Hast du schon eine Möglichkeit gefunden wie du auch mal ein bisschen Geschwindigkeit raus nehmen kannst?

Ich freue mich über Deine Erfahrungen und Wünsche! Schreib’ mir einfach eine E-Mail oder hinterlasse ein Kommentar!

Bis bald,

Deine Carina