Grüß' dich!
Ich laufe mit meinen Hunden, und diese Frage läuft mit: Wo gehöre ich denn jetzt noch dazu?
Sie ist mir nicht neu. Aber heute reicht sie tiefer als je zuvor. So tief, dass ich sie in meinem Körper spüre, im Zwerchfell, im Solarplexus. Ein Druck, der sich nicht wegatmen lässt. Ein Schmerz, und ehrlich gesagt ein richtig fieser.
Noch ist meine Kündigung nicht da, weshalb ich nach wie vor meine Mails checke, beantworte beziehungsweise bearbeite. So kam es, dass, bevor ich losgelaufen bin, noch eine E-Mail-Zusage für das nächste Quartalsmeeting reinkam. Genau eines dieser Events, die vorher ich geplant habe. Und in dem Moment wurde mir eines schmerzhaft klar: Ich gehöre nicht mehr dazu.
Dass ich ein starkes Bedürfnis nach Zugehörigkeit habe, weiß ich schon lange. Dennoch habe ich mich nie blind an Menschen gehängt und wahllos irgendetwas getan, damit sie mich mögen und ich dazugehöre. So war es nicht. Aber es gab oft diese Situationen: Ich war mit jemandem in Kontakt, wir mochten uns, verstanden uns gut, und ich spürte, dass da etwas gebraucht wurde, wobei ich unterstützen konnte. Und dann habe ich von Herzen gerne unterstützt. Meine „Bezahlung" war das Dazugehören.
Über meinen Diener-Archetypen habe ich schon geschrieben. Der hat dieses Bedürfnis zuverlässig bedient. Die Erkenntnis war also bereits da. Nur das Gefühl im Körper, das dazugehört, die Wunde, wenn du so willst, das war noch nicht so präsent wie jetzt.
Früher habe ich meine Gefühle lieber übergangen. Ich habe sie sozusagen eher gedacht als gefühlt. Doch das will ich nicht mehr. Ich will meine Gefühle fühlen, auch wenn sie wehtun. Ich glaube sogar, dass ich die letzten Jahre die größeren Schmerzen ertragen habe, indem ich sie nicht gefühlt habe. Denn mein Körper spricht seit Jahren über Schmerzen mit mir. Ich habe sie also gespürt, aber ich wusste nicht, wo sie hingehören. Ja. Auch die Schmerzen wollten dazugehören. Witzig.
Jetzt fühle ich sie. Und es fühlt sich an, als wäre ich irgendwo ausgesetzt. Als hätte ich den Anschluss an die Welt verloren. Abgenabelt. Verloren. Ein bisschen so, als würde ich mich auflösen, als würde ich ohne das Gegenüber gar nicht mehr existieren. Ohne das, wo ich dazugehöre. In diesem Fall meine Arbeit, das Team.
Auch wenn es genug gab, was mich dort gestört hat. Aber ich merke gerade: Am Ende war dieses Bedürfnis, irgendwo dazuzugehören, so stark, dass ich von allein vermutlich nie gegangen wäre. Oder erst dann, wenn ich die Zugehörigkeit woanders gefunden hätte.
Jetzt gilt es, diese Verbundenheit in mir selbst entstehen zu lassen – nicht Zugehörigkeit zu einer Gruppe, sondern ein Band zu mir selbst. Ich weiß noch nicht, wie. Ehrlich, ich weiß es nicht. Hier, an diesem inneren Ort, war ich noch nie. Das ist vollkommen neu, ein vollkommen neuer Punkt in meinem Leben. Vermutlich ein ziemlich entscheidender Wendepunkt.
Nur: Wenn man an so einem Wendepunkt steht und nicht weiß, wohin, weil sich alle Wege unsicher anfühlen, dann macht das plötzlich nicht mehr so viel Spaß. Was dennoch nichts daran ändert, dass ich diesen Weg gehen muss. Und gehen werde.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich es teile. Ich glaube nicht, dass ich der erste Mensch bin, dem das passiert. Und bestimmt nicht der letzte. Wenn ein anderer Mensch an diesem Punkt steht, dann soll er wenigstens diesen einen Anker haben. Das Wissen, dass sie oder er nicht allein ist. Dass wir Schwestern und Brüder im Geiste sind. Und dass sie diesen Weg vielleicht ein Stück mit mir gehen können.
Alanis Morissette hat einmal beschrieben, dass sie seit Jahren danach strebt, so transparent zu sein wie nur möglich. Je sichtbarer sie sich mache, mit ihren Gefühlen, ihren Verletzlichkeiten, auch ihren starken Momenten, desto friedlicher werde sie. Weil so viel Kraft ins Verstecken geht, ins Geheimhalten.
Als ich das gehört habe, hat es etwas in mir berührt. Denn genau das glaube ich auch: Sich zu zeigen und zu teilen, wer wir sind und was uns bewegt, das ist doch das, was uns als Menschen ausmacht.
Liebe Grüße und bis bald,
Carina

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